< Körung des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein/Hamburg vom 9. bis 11. Februar in den Holstenhallen
06.02.2018 10:32 Age: 194 days

Der Schlüssel zur ewigen Jugend? Immer in Bewegung bleiben!


Pico hat mit seinen 26 Jahren viel Spaß an der Bodenarbeit. (Foto: Anja Haltenhof)

Unter dem Motto „Neuer Spaß für alte Hasen – Die besten Jahre bunt gestalten“ trotzten am 4. Februar mehr als 100 wetterfeste Pferdefreunde dem Schneegestöber und trafen sich zur Landesbreitensporttagung des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein e.V. in der Reitschule Schreuder in Stampe.

 
Der Mensch lässt sich nur allzu leicht von der Annahme, er sei für etwas zu alt, davon ab­halten, sich neuen Herausforderungen zu stellen oder seine Träume zu verwirklichen. Aber kann man wirklich zu alt für seine Träume sein? Wenn diese Träume sich um ein Leben mit Pferden drehen, dann ganz sicher nicht.

Die Beschäftigung mit dem Pferd und auch das Reiten sind auch in fortgeschrittenem Alter eine Wohltat für Körper und Seele. Schon allein ein Pferd zu berühren kann Stress abbauen und selbst wer mit Ängsten zu kämpfen hat, stelle doch schließlich fest, dass es sich lohnt sich ihnen zu stellen und sie zu überwinden um die Freude am Pferd zu erfahren, erläuterte Diplom-Psychologin Inken Rothkirch, während einige Damen aus der Reitschule ihre erst spät erworbenen Reitkünste präsentierten. Auch Physiotherapeutin Katrin Horn hob den gesundheitlichen Wert des Reitens hervor. Auf geeigneten Pferden könne das Reiten sogar helfen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu lindern. Wer sich vom Pferd bewegen lasse, fände so auch selbst wieder zu mehr Beweglichkeit.

Doch ein gelungenes pferdesportlichea Angebot für die reifere Zielgruppe fordere nicht nur körperliche Beweglichkeit der Reitschüler, sondern auch viel konzeptionelle Beweglichkeit der Ausbilder, wie Wibke Behrens in ihrem Vortrag herausstellte. Erwachsene, die ihre Pferdeträume realisieren wollen, brächten nämlich vor allem genau das mit: Träume. Und dass diese nicht nur höchst unterschiedlich, sondern auch manchmal sehr speziell sein können, wusste sie aus ihrer eigenen langjährigen Erfahrung als Ausbilderin für eben dieses Klientel zu berichten. Vom Distanzritt mit den Scheichs, über Springambitionen der höchsten Klassen, bis hin zum reinen Wellness-Kuscheln reichen da die Wunschvorstellungen der spätberufenen Pferde-Abenteurer und stellen damit höchste Ansprüche an die lehrenden Zwei- wie auch Vierbeiner. Doch der Aufwand lohne sich, denn die Späteinsteiger brächten nicht nur feste Vorstellungen und ein sicheres Einkommen mit, sondern auch die Zeit und Begeisterung, sich auch jenseits des Sattels im Stall und Verein miteinzubringen.

Nicht nur der Mensch kann bis ins hohe Alter Freude an der Bewegung auf und mit dem Pferd finden. Auch Pferde und Ponys selbst freuen sich trotz einer stolzen Anzahl an Lebensjahren über vielseitige Beschäftigung für Kopf und Körper. Nur wer rastet rostet auch. Das stellte die Oldie-Truppe der Reitschule eindrucksvoll unter Beweis, während Pferdeosteotherapeuth Gavin Meissner mit Hilfe der munteren Senioren anschaulich erläuterte, wie man auch am Boden mit zahlreichen Übungen den Muskelaufbau und die Beweglichkeit älterer Pferde gezielt trainieren kann. Wie wichtig dabei auch die geistige Forderung sei, stellte Ausbilderin Martina Schreuder heraus, und plädierte dabei für ein buntes, vielseitiges Training zur Freude von Mensch und Pferd. 

Dass Essen Leib und Seele zusammenhält, gilt für Mensch und Pferd gleichermaßen, deshalb gab es nach einem leckeren Buffet in „Bato’s Spezialitätenrestaurant“ auch noch wertvolle Tipps zur Fütterung alternder Pferde vom Experten Jürgen Lamp.
Vor allen Dingen gäbe es kein Patentrezept, machte er deutlich, auch hier sei Flexibilität gefragt. Was für ein Pferd funktioniert, muss für ein anderes nicht genauso funktionieren – und umgekehrt. Da helfe nur ausprobieren und hinschauen, ob die Maßnahme Erfolg zeigt. Und wenn nicht? Dann probiert man etwas anderes. Man müsse sich im Klaren sein, welche Futtermittel grundsätzlich welchen Nutzen hätten und ob das Pferd sie noch kauen und verdauen kann – oder überhaupt mag. Grundsätzlich, so sagt der erfahrene Berater der Landwirtschaftskammer, solle man alternden Pferden, - sofern nicht Erkrankungen oder Übergewicht dem entgegenstehen - das füttern, was sie mögen.

Natürlich ist auch der Breitensport selbst stetig in Bewegung und so gaben Antje Voß und Maritres Hötger vom Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. abschließend noch einige Einblicke in die frisch überarbeitete Wettbewerbsordnung (WBO), die die Pferdefreunde mit vielen neuen Wettbewerben, zum Beispiel in der Bodenarbeit, im gebisslosen Reiten oder in offenen Küren lockt. Mit dem Ausblick auf viele weitere bunte Veranstaltungen und Projekte im Land wurden dann bei Kaffee und Kuchen noch fröhlich weitere Pläne geschmiedet, während der Tag gemütlich zu Ende ging.

- Maritres Hötger, Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. –